Mittwoch, 26. September 2007

Es fährt ein Zug ...

2012 könnte es soweit sein: Münchner Bürger, Reisende und Schaulustige könnten den ersten kommerziell betriebenen Transrapid in Deutschland betreten, und sich am Wunder der Technik erfreuen. Wäre da nicht das „könnte“.

Fakt ist momentan nur: Das Finanzierungskonzept steht und die Magnetschwebebahn ist von den Landespolitikern beschlossene Sache. Die SPD im Münchner Rathaus sieht das allerdings anders. Sie bevorzugt nach wie vor eine Anbindung des Flughafens, der über 30 Kilometer vor der Stadt liegt, durch eine Express-S-Bahn. Sie wäre vom Hauptbahnhof etwa 45 Minuten unterwegs, der Transrapid etwas mehr als 10 Minuten. Billiger wäre die S-Bahn-Lösung zwar, aufgrund der chronischen Überlastung der vorhandenen Tunnel in der Stadt könnten die Kosten aber explodieren.

1,85 Milliarden Euro soll der Transrapid nun Kosten. Davon trägt die Stadt München satte Null Euro. Und dennoch regen sich die Politiker um Oberbürgermeister Christian Ude und grüne Landtagsabgeordnete auf und wollen vor Gericht ziehen, um den Zug zu verhindern. Das wirft natürlich eine Frage auf: Warum sollten die Stadtväter ein derartiges Geschenk ablehnen?

Nun, wir bewegen uns in der Politik. Und da herrschen bekanntlich Neid und Missgunst. Der eine ist auf die Leistung des anderen nicht gerade stolz, Parteien bekriegen sich über längst ausgelutschte Themen. Argumentiert wird, die Kosten seien nicht überschaubar, die Kalkulation veraltet. Klar ist: Der Transrapid muss in Deutschland kommen, auch wenn die Kosten astronomisch explodieren. Nicht noch einmal dürfen wir eine derart zukunftsträchtige Erfindung aus der Hand geben und dem Ausland zuschanzen.

Sicher hätte es bessere Strecken gegeben als die Anbindung eines Flughafens, der Transrapid ist schließlich ein Langstreckenzug. Aber, ein bisschen Optimismus darf auch sein, vielleicht kommen die ja noch. Warten wir ab, ob der Zug 2012 in München fährt. Wenn ja, freuen wir uns und warten auf weitere Anwendungsgebiete. Nur dann kann es sein, dass wir, bei unserer Arbeitsgeschwindigkeit in Deutschland, das nicht mehr erleben.
(Bild: Transrapid Fotomontage, Quelle: Transrapid-Konsortium)

Freitag, 14. September 2007

Eva und die 68er

Zwar beginnen sich langsam die Wogen zu glätten – ausgestanden ist das Trara um Eva Herman allerdings nicht. Glücklicherweise, wird da der überzeugte Demokrat sagen, schließlich gibt es noch so einiges zu diskutieren.

Eines zeichnet sich aber, besonders in den Forendiskussionen, immer mehr ab: Eva Herman wurde nicht aufgrund ihrer Äußerungen bezüglich des Nationalsozialismus vom NDR entlassen. Vielmehr war einigen Funktionären Hermans Kritik an der Generation der 1968er ein Dorn im Auge. Bei genauerer Betrachtung ihrer Äußerungen und auch ihrer Bücher fällt auf: Hier positioniert sich eine Frau gegen die 68er. Hier wehrt sich jemand gegen die Antiautorität und dagegen, dass Kinder sich selbst überlassen werden. Werte wie Achtung und Respekt, sowohl von den Kindern gegen ihre Eltern, aber auch von der Gesellschaft gegen Mütter, werden nach Hermans Meinung zu stark in den Hintergrund gedrängt, ja gar vernachläsigt.

Systematische Ausschaltung einer kritischen Stimme

Kurz zusammengefasst meint Hermans Zitat (siehe voriger Blogeintrag) folgendes: Es hat immer Werte gegeben, die niemals in Frage gestellt wurden, auch von den Nationalsozialisten nicht. Die Generation der 68er hat es allerdings geschafft, sie zurückzudrängen, teilweise gar auszulöschen. Klar, dass derartige Aussagen die heute etablierten 68er (die übrigens genauso geworden sind, wie sie selbst nie werden wollten) stören dürften ...

Mittwoch, 12. September 2007

Wider das Grundgesetz

„... es war nicht alles schlecht“.

Mit dieser simplen Weisheit hat sich Eva Herman aus ihrem Job beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) katapultiert. Derart schnell ist wohl noch niemals zuvor eine Moderatorin ihren Job los gewesen. Was war passiert?

„Es gibt Werte wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden. Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft.“ So soll sich Eva Herman geäußert haben. Verwerflich? Nein, höchstens ungeschickt. Aber dass mit einer kleinen Anspielung auf die NS-Zeit in Deutschland noch immer eine derartige Lawine losgetreten wird, beunruhigt.

Eva Herman, Moderatorin der Talksendung Herman & Tietjen und zuvor Nachrichtensprecherin bei der ARD, wurde innerhalb weniger Stunden von den NDR-Chefs auf die Straße gesetzt, ihre Verträge aufgelöst. Aber wer hat sie wirklich entlassen? Mit Sicherheit nicht das Fernsehen, sondern die Politik.

Weiterer Schritt zur Aushöhlung der Meinungsfreiheit

Im Endeffekt ist Hermans Rauswurf ein Affront gegen das Grundgesetz. Auch eine in der Öffentlichkeit stehende Moderatorin darf sich persönlich äußern. Kritische Journalisten sind besser als angepasste. In diesem Fall schienen es aber (wieder einmal) alle Beteiligten mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung nicht so genau genommen zu haben.

Warum die Politik? Wie alle öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten ist auch der NDR hoch politisiert. In den Gremien sitzen nur Funktionäre, die absolutes Vertrauen ihrer Ernenner genießen – und die wiederum sind Politiker. Hätte der NDR sich zurück gehalten, wäre die Sache nach wenigen Tagen vergessen gewesen. Aber nun haben wir den Salat; einen Skandal, der zugleich ein Angriff auf die Freiheitswerte unserer Gesellschaft ist.